sadorex
DEUTSCH  | FRANCAIS


NEWS

Dornbracht Installation Projects: Rudolf Stingel. Live





März 2010 / Berlin.
Rudolf Stingel. Live stellt den bislang grössten Auftritt des Künstlers in Deutschland dar. Neben einer raumbezogenen Installation werden in der Neuen Nationalgalerie neue grossformatige Gemälde des Künstlers gezeigt. Rudolf Stingel, der 1956 in Südtirol geboren wurde und heute überwiegend in New York lebt, ist in den 90er Jahren mit raumgreifenden Arbeiten und einer materialbezogenen, konzeptuell ansgelegten Malerei international bekannt geworden. Erst kürzlich widmeten das Whitney Museum in New York und das Museum of Contemporary Art in Chicago dem Künstler vielbeachtete Retrospektiven.

 
Auf Einladung der Nationalgalerie hat Rudolf Stingel nun eine Installation für die Neue Nationalgalerie entworfen, die aus der Architektur von Mies van der Rohe heraus entwickelt ist und die den Charakter des einzigartigen Baus in beeindruckender Weise transformiert. Die Bodenfläche der grossen Glashalle ist mit einem Teppich ausgelegt, dessen Ornament auf einen originalen indischen Agra-Teppich des 19. Jahrhunderts zurückgeht und dessen Farben der Künstler in Schwarz-Weiss- und Grautöne übersetzt hat. Starke, grafische Muster und sinnliche Opulenz treffen so auf die Kargheit und formale Reduktion der Architektur. Mit dem indisch-persischen Dekor wird zugleich die viel beschriebene Sakralität des Mies-Baus umgedeutet: der „moderne Tempel“ verliert seine abstrakte Strenge, rückt in die Nähe eines orientalisch geprägten Kultraumes. Als weiteres Element der Installation hängt ein kristallener Kronleuchter zentral im Raum, der an pompöse Auftritte erinnert und dabei die unausweichlich europäische Perspektive verdeutlicht. Auch Perser- und Orientteppiche haben einen festen Platz in der europäischen Kulturgeschichte und finden sich bis heute, neben allerlei anderen „Orientalia“, im bürgerlichen Wohnzimmer.

Mit Rudolf Stingel. LIVE setzt die Nationalgalerie ihre Reihe ortsspezifischer Installationen im Gebäude Mies van der Rohes fort und knüpft hier insbesondere an die Ausstellung Thomas Demands an. Während Thomas Demand unter dem Titel Nationalgalerie seinen Blick auf Deutschland richtete, thematisiert Rudolf Stingel mit seiner Berliner Installation, wie Rudolf Stingel selbst sagt „eine wohldosierte Sehnsucht nach dem Anderen“.

Rudolf Stingel. LIVE ist das erste Dornbracht Installation Project in Berlin und damit Auftakt der Zusammenarbeit zwischen der Nationalgalerie und Dornbracht, international tätiger Hersteller hochwertiger Designarmaturen und Accessoires aus Iserlohn. Auf diese Weise wird die langjährige Kooperation fortgesetzt, die 1999 zwischen Dornbrascht und dem Kölnischen Kunstverein begann und am MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt fortgeführt wurde. Ziel der Förderung ist es, Neuproduktionen ausgewählter Künstler zu initiieren und zu finanzieren. Die auf dieser Basis entwickelten Kunstwerke sind einmalig sichtbar und untrennbar mit dem Ort verbunden, für den sie entstanden. Somit setzt Dornbracht sein langjähriges und intensives Engagement in der zeitgenössischen Kunst nun in der Hauptstadt fort und entspricht damit dem Anspruch des Unternehmens, eine eigene kulturelle Identität und Relevanz zu entwickeln.

Rudolf Stingel bezieht sich mit seiner eigens für die Neue Nationalgalerie produzierten Arbeit auf einen realen, indischen Agra-Teppich des 19. Jahrhunderts. Doch geht die Intervention über den Akt des Kopierens hinaus. Die Farbigkeit des Teppichs hat Stingel auf ein malerisches Grisaille reduziert und das Ornament so sehr vergrössert und vervielfältigt, dass es die Bodenfläche der Halle wie ein gestisches „All-over“ überzieht. Die Dimensionen des als Vorlage dienenden Teppichs werden also genauso ausser Acht gelassen, wie die Geschlossenheit seiner Komposition. „Die Teppichkanten“, beschreibt Rudolf Stingel, „sind dabei nicht auf die Architektur bezogen und nehmen weder Linien noch Abstände der Halle auf. Sie sind jedoch ähnlich unendlich und unbegrenzt wie der Raum Mies van der Rohes, der sich hier materialisiert und die Logik und Proportionen eines griechischen Tempels annimmt.“ Mit den geschwungenen Linien und der reichen Ornamentik lässt Rudolf Stingel eine Ästhetik in die Architektur Mies van der Rohes zurückkehren, von der sich die Künstler des Bauhauses ehemals bewusst verabschiedet hatten. Die kühle Nüchternheit des Raumes wird durch den weichen Bodenbelag kontrastiert und ungewohnt wohnliche Werte halten in das Haus Einzug. Sitzen und Liegen wird plötzlich möglich und denkbar, wo vorher der nackte Granit eher ein vornehmes Flanieren vorgab. Zugleich geht Rudolf Stingels Arbeit für die Neue Nationalgalerie über den Kommentar zur bestehenden Architektur weit hinaus. Mit den raffiniert changierenden Grauwerten und den grafischen Mustern in der grossen, schier endlosen Fläche, setzt der Künstler seine langjährige Beschäftigung mit „erweiterter Malerei“ fort – einem für Rudolf Stingel ganz zentralen Thema.

Diese Auseinandersetzung mit Malerei wird in den vier neuen grossformatigen Gemälden Stingels fortgesetzt, die im Untergeschoss der Neuen Nationalgalerie zu sehen sind. Ebenfalls in Grisaille gehalten, zeigen sie Alpenansichten: Gipfel der Meraner Berge und die berühmte Stafelalp bei Davos. Drei der Bilder basieren auf privaten fotografischen Schnappschüssen aus den 50er Jahren, die Stingel mit allen Spuren ihrer Handhabung, wie Kratzern und Staub, abmalt. Indem er die kleinen Bildvorlagen in grosse Gemälde überträgt, betreibt er eine „dramatische Massstabsverschiebung“, wie er selbst es beschreibt, „die das Potential der Fotos im Spiel zwischen Bild und Medium auf die Spitze treibt.“ Das vierte der ausgestellten Gemälde hat einen anderen Ursprung: Die Abbildung der Stafelalp geht auf Ernst Ludwig Kirchner zurück, der sich nach dem ersten Weltkrieg in dieser Gegend niederlies und 1938 dort Selbstmord beging. Auf dem Negativ des von Kirchner gemachten Fotos hat sich neben der Landschaftsansicht auch dessen eigener Fingerabdruck erhalten, der von Rudolf Stingel unterschiedslos und minutiös in das Gemälde übertragen wird. So debattiert Rudolf Stingel auch hier Reproduktionsprozesse und stellt die eigene Arbeit ironisch als scheinbar einfachen Akt des blossen Nachahmens dar.

Mit dem Verweis auf Leben und Schicksal von Ernst Ludwig Kirchner ruft Rudolf Stingel ein tragisches Kapitel der klassischen Moderne auf. So bildet sein Gemälde der Stafelalp den Auftakt zur zukünftigen Sammlungspräsentation: Moderne Zeiten. Die Sammlung 1900-1945 (ab 12. März).

Ein Katalog mit einer Dokumentation der Ausstellung ist in Vorbereitung.

Rahmenprogramm: „Flying Bach“. Die Hip-Hop-Weltmeister Flying Steps interpretieren „Das wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach“ (Künstlerische Leitung: Christoph Hagel). Neue Nationalgalerie, obere Halle. Termine: Mi 14.4 / Do 15.4. / Fr. 16.4. / Sa 17.4. / So 18.4. / Mi 21.4./ Do 22.4. / Fr 23.4. / Sa 24.4. / So 25.4. / Di 27.4 / Mi 28.4. Weitere Informationen an der Kasse.

Rudolf Stingel. LIVE ist Teil der Reihe Dornbracht Installation Projects.

Produktion des Teppichs mit freundlicher Unterstützung von HTW Design Carpet und Halbmond Teppichwerke / Oelsnitz.

Eine Ausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin. Ermöglicht durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie und gefördert durch Dornbracht.


zurück zurück Seite weiterempfehlen Seite weiterempfehlen Kontakt Kontakt drucken drucken



Aktuelles von:




ALAPE - PRIVATE SPACES




DORNBRACHT - SUPPLEMENT - THE SPIRIT OF WATER




AGUAVIT - REC PREMIUM WHIRLPOOLS


Sadorex Handels AG
Bornstrasse 7 | Postfach
CH-4616 Kappel SO

Showroom /
Büros / Lager:
Sadorex Marketing AG
Letziweg 9
CH-4663 Aarburg

Tel. 062 787 20 30
Fax 062 787 20 40
sadorex@sadorex.ch

Zufahrtsplan


Copyright 2012 by Sadorex  Webdesign by MySign